Ukrainische Reise


Meta

Roman
Umfang: 120 Seiten
Format: 12 x 19 cm
ISBN: 978-3-8391-2977-7
Preis: n/a

Bezug: in allen Buchhandlungen

Inhalt

Ukrainische ReiseEs ist ein Steckenpferd von mir, in die ehem. k.u.k. österreichischen Erblande zu reisen. Über die österreichische Landsmannschaft in Wien, buchte ich eine Reise mit gleichgesinnten nach Lemberg. Mit dem Aeroplan. Doch der Gletscher Vulkan Eyjafallaökul auf Island, ist plötzlich zornig geworden. Der Flugverkehr war durch die Aschepartikel lahmgelegt. Auf meine Reise wollte ich keinesfalls verzichten. Also entschloss ich mich mit meinem kleinen Wagen, einem SMART, in die Ukraine zu reisen. Ohne besondere Kenntnis über das Land, denn ich hatte ja ursprünglich eine geführte Reise gebucht. Ich würde schon alles rechtzeitig vor Ort erfahren. Für eine Reise auf eigene Faust war ich nicht vorbereitet. Das führte zu unglaublichen Verwicklungen. Im Rückblick betrachtet, zu sehr unterhaltsamen. Reisen und Lachen Sie mit mir!

Impressionen
Leseprobe

Ich verließ das Restaurant um einen Verdauungsspaziergang zu unternehmen. Wären nicht die krass unterschiedlichen Niveaus der Bürgersteige, die Schlaglöcher in den Fahrbahnen und die vielen Stolpersteine, die den empfindlichen Gehapparat des Menschen gefährden, man meinte in Wien zu sein. Meine Bewunderung für die ausgesucht eleganten Damen Lembergs wuchs. Wie sie es schafften mit ihren High Heels, geschaffen für den Catwalk, grazil und ohne gebrochenen Fußgelenken alle diese Unbilden zu umschiffen, wird mir immer ein Rätsel bleiben.Die Atmosphäre der jetzt im abendlichen Licht erscheinenden Stadt, vermittelte einen sehr heimatlichen Eindruck. Ich begann mich zuhause zu fühlen. So streifte ich ziellos und in Gedanken versunken durch die alte k.u.k Metropole. Meinem geistigen Auge begegneten österreichische Offiziere in Ausgangsuniform mit umgeschnalltem Säbel
und goldenem Portepee, am Arm eingehängt eine elegante Dame. Sie grüßten höflich mit der zum Kappenrand geführten, behandschuhten Hand. Ach, was war das für eine schöne Zeit gewesen. Weit entfernt von unserer heutigen, desillusionierten Hektomatikwelt. Das Gefühl im falschen Zeitalter geboren zu sein, beschlich mich hier in Lemberg, auf meinem einsamen abendlichen Rundgang besonders heftig. In einem kleinen Lokal genehmigte ich mir noch einen Drink, beobachtete die Menschen und fand sie glücklich mit ihren Freunden beisammen. Es wurde gelacht und gescherzt, wie auch überall sonst auf der Welt. Der eigentliche Reichtum ist also nicht Geld oder Besitz, sondern Zufriedenheit. Keine Ahnung ob die Menschen in Lemberg zufrieden sind, sie strahlten jedenfalls nichts anderes aus. Freilich, meine Beobachtung ist nur eine Momentaufnahme und nicht repräsentativ. Sie wird nicht auf alle Bürger von Lemberg anwendbar sein. Die wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten des Landes sind ja hinlänglich bekannt, obwohl nicht ganz einsehbar, bei soviel Reichtum an Schönheit, Bildung, Kultur, Geschichte, Bodenschätzen, Landschaft und so vielem mehr. Russland stellt regelmäßig die Gaslieferungen ein, weil die Ukraine nicht zahlen kann. Im Winter muss das eine besonders unangenehme Sache sein. Keine Heizung, kein Warmwasser möglicherweise nicht einmal eine warme Mahlzeit.

Am Morgen nach meiner ersten Nacht in Lemberg traf ich im Frühstücksraum auf die übernächtigte Reisegruppe. Die Reise mit dem Zug von Wien Meidling hatte etwa 19 Stunden gedauert. Vier mal Umsteigen. Die Spurbreite in der Ukraine unterscheidet sich von der im restlichen Europa. Das kostet Zeit. Jeder hatte seine Erlebnisse vom Grenzübertritt mitgebracht. So abenteuerlich wie die meinen waren allerdings keine. Die Gruppe die spät in der Nacht mit dem Kleinbus angekommen war, konnte ihren Wagen auf einem Hotelparkplatz abstellen. Das wollte ich mit meinem Wagen auch tun. An der Hotelrezeption war man aus dem Häuschen, als ich ihnen erklärte wo mein Wagen unbewacht parkt. Ein Hotelangestellter ging mit mir durch die halbe Stadt zum Auto und mit ihm gemeinsam fand ich zum Hotel zurück. Der Parkplatz befand sich auf dem Gelände eines abgerissenen Hauses und war Tag und Nacht bewacht. Die Sorge um meinen Wagen war mir nun genommen. Die Parkgebühr war lächerlich gering. Gleich darauf stand schon der Reisebus bereit, mit dem wir zur Stadtrundfahrt aufbrachen. Jetzt sah ich all das per Bus, was ich schon am Vortag zu Fuß absolviert hatte. Diesmal aber mit fachkundiger Führung durch einen sehr guten Reiseführer. Am Abend trat im Hotelspeisesaal eine Tanzgruppe für uns auf. Sie zeigten uns alte Tänze, teilweise noch aus der Zeit von Kaiserin Maria Theresia. Die Aussiedler hatten sie mitgebracht und die Tradition wurde bis heute konserviert. Die Mitglieder der Tanzgruppe sprachen Deutsch und waren in österreichische Tracht gekleidet. Das beeindruckte mich sehr. Viele von ihnen hatten tatsächlich österreichische und deutsche Wurzeln. Es ist natürlich ein bisschen wenig lebendes Österreich in der ehemals so österreichischen Stadt Lemberg übrig geblieben. Da erfreut es umso mehr, dass sich diese jungen Leute darum bemühen, ein bisschen Österreich zu erhalten. Lemberg wird auch als klein Wien bezeichnet. Tatsächlich gibt es viele Ähnlichkeiten. Abgesehen von der Architektur verfügt die Stadt über viele, sehr schön angelegte Parkanlagen.

Auf der Rückreise hatte ich Zeit, die am Weg liegenden schönen Kirchen zu fotografieren. Die Dächer der Gotteshäuser glänzen im Sonnenlicht als wären sie aus reinem Gold. Vielleicht sind sie das ja auch. Ich konnte es nicht herausfinden. An der Raststation am Karpatensattel machte ich erneut einen Halt, wie schon auf der Hinreise. Ich wollte den alten Mönch wieder besuchen. Für ihn hatte ich meine letzten Reste Ukrainischer Währung aufbewahrt. Tatsächlich stand „mein“ Mönch in seiner „Sakristei“. Er begrüßte mich sofort überschwänglich und ich schenkte ihm ein
Votivbild des Hl. Georgs, welches ich in der Georgs- Kathedrale zu Lemberg erstanden hatte. Gleichzeitig mit meiner Barschaft in Ukrainischer Währung. Der Priester war überwältigt von meinem Geschenk und auch darüber, dass ich ihn erneut besucht hatte. Er schrieb mir auf einen kleinen Zettel seine Adresse und seinen Namen auf. Auf Kyrillisch. Ich konnte den Mann nicht verstehen und noch weniger seinen Zettel lesen. Trotzdem verstanden wir einander mit dem Herzen. Er wollte unbedingt gemeinsam mit meinem Auto fotografiert werden, was ich mit Freuden tat! Zum Abschied küsste mir der Mönch die Hände und umarmte mich. Ich gebe zu, das war mir etwas peinlich. Der sehr viel ältere Mann erwies mir jüngerem
eine Ehre, die mir nach meinem Ermessen keinesfalls zustand. Beim Wegfahren drehte ich mich noch einmal um und winkte ihm aus dem geöffneten Wagenfenster zu. Was ich da sah, ließ mir den Atem stocken. Der Mönch kniete in seiner schwarzen Kutte auf der Straße und segnete mich mit seinen Händen und dem erhobenen Kruzifix. Unwillkürlich schossen mir die Tränen in die Augen. So etwas Ergreifendes hatte ich noch niemals erlebt!

Alleine wegen diesem Erlebnis bin ich dem Isländischen Vulkan Eyjafalla überaus dankbar, dass er den Flugverkehr lahm gelegt hatte und ich mit dem Auto in die Ukraine habe fahren müssen. Niemals sonst wäre mir dieser freundliche Mönch begegnet, niemals sonst hätte ich seinen Segen erhalten.

Hörprobe