Ich träumte von Königgrätz


Meta

Roman
Umfang: 310 Seiten
Format: 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 3-8334-3522-4
Preis: EUR 18,90

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Inhalt

Ich träumte von Königgrätz - RomanDr. Günther von Spielvogel, leitender Angestellter einer Werbeagentur, der Protagonist der Geschichte, hatte einen Unfall erlitten und wurde im Krankenhaus in Tiefschlaf versetzt. In diesem Tiefschlaf träumt er die Schlacht von Solferino 1859. Er erlebt die apokalyptischen Ereignisse als einfacher Soldat mit. Auf seinem Landgut erholt er sich vom Unfall und von der geträumten Schlacht in der er zum Offizier, befördert durch Feldzeugmeister Ludwig Ritter von Benedek, aufgestiegen ist. Die Post stellt ihm verloren gegangene Briefe zu. Sie sind aus der Militärkanzlei des Kaisers Franz Josef I., adressiert an den Unterleutnant Günther von Spielvogel. Unter anderem ist ein Befehl von General Benedek enthalten, ihn umgehend aufzusuchen. Gemeinsam mit seiner Freundin Sophie besucht er daraufhin Benedek auf dem Friedhof St. Leonhard in Graz. Dort erscheint ihm der General leibhaftig …! Es gibt kein zurück. Oberleutnant Günther Baron von Spielvogel wird unbarmherzig in die kommenden Ereignisse hineingezogen. Der Krieg von 1866 Österreich gegen Preußen, Königgrätz-Sadowa ist sein grauenhaftes Ziel! …

Impressionen
Leseprobe

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Seite 43:

Als ich die Kerze in die dafür vorgesehene Laterne am Grab Benedeks gestellt hatte, war ich zusammengebrochen. Sophie stürzte zu mir,
um nach mir zu sehen.
„Günther, was ist mit dir!“, rief sie, „komm, beweg dich!“.
Geistesgegenwärtig brachte sie mich in eine stabile Seitenlage, prüfte meinen Puls und meinen Atem. Danach rief sie der Friedhofsgärtnerin zu, die sofort zu uns eilte.
„Bitte rufen Sie schnell die Rettung, mein Freund ist zusammengebrochen!“
„Vis a vis ist ohnedies das Krankenhaus, es wird also schnell gehen“, rief die Gärtnerin, während sie im Laufschritt auf die Verwaltung zusteuerte.

Von Krämpfen gebeutelt lag ich in Sophies Armen.
„Um Himmels Willen Günther, was hast du denn!“, fleehte sie, „du bist doch kränker als angenommen und die Ärzte haben dich zu früh aus dem Krankenhaus entlassen! Ich bitte dich, wach auf, komm zu dir!“
Sie hatte Mühe mich zu halten, weil es mich zeitweise recht schüttelte und alle ihre Versuche, mich zu Bewusstsein zu bringen, schlugen fehl.
„Oh mein Gott, Vogerl, ist ja wie in Solferino im Turm!“, jammerte Sophie „Du armer Mensch, was machst du bloß mit, was hast du verbrochen?“

In diesem Moment erwachte ich und wollte die Kerze in die Laterne stellen. Da bemerkte ich, dass sie bereits in der Laterne stand und ich in den Armen einer in Tränen aufgelösten Sophie lag.
„Sophie, was ist denn mit dir?“, fragte ich sie ahnungslos.
„Was mit mir ist, bist du zu retten Günther“, stöhnte sie aufgelöst, „was ist mir dir?“
„Ja was soll denn sein?“, erwiderte ich arglos.
„Was sein soll? Du bist plötzlich zusammengebrochen, hast dich vorerst einmal nicht mehr gerührt, bis du dich anschließend in Krämpfen gewunden hast. Und du fragst mich, was los ist?“.
„Davon habe ich nichts bemerkt, ich habe doch bloß die Kerze…“.

Ausschnitte aus den Seiten 282 – 287:

Unter größten Mühen und Gefahren hatte ich mich zum Swiepwald vorgekämpft. Ich sah, wie ein Bataillon nach dem anderen sinnlos geopfert wurde. Sie starben im Schnellfeuer der preußischen Zündnadelgewehre. Der Armeebefehl Nr. 41, den ich off ensichtlich sinnlos an die einzelnen Kommandanten überbracht hatte, war unbeachtet geblieben.
Stur wie die Esel hielten sie an der obsolet gewordenen Stoßtaktik fest. Es war ihnen off ensichtlich unmöglich sich umzugewöhnen.
Einmal eingedrillt, hatte sich diese Angriff staktik in die Köpfe eingebrannt. Die schönsten österreichischen Regimenter verbluteten hier sinnlos. Ausgerüstet mit veralteten Waffen, veralteter Taktik und gestraft mit hirn- und herzlosen Führern.

Allmählich zogen sich unsere Einheiten aus dem Kampf. Einen geordneten Rückzug mitten im Kampf anzutreten, war sicher eine der schwierigsten Aufgaben, die ein Truppenführer zu bewältigen hatte.
Auf einer Anhöhe erkannte ich mein letztes Ziel, die österreichische Geschützreserve des III. Armeekorps, kommandiert von meinem Freund Hauptmann August van der Groeben. Ihm hatte ich ebenfalls den Rückzugsbefehl zu überbringen.
Seine Batterien feuerten, was das teure Metall hergab. Mechanisch genau wie ein Uhrwerk bedienten die Artilleristen die Geschütze. Gegen diese Waffe hatte der Gegner wenig dagegenzuhalten.
Ich sprang vom Pferd und lief die letzten Meter zu Hauptmann van der Groeben. Vor seinem Oberleutnant Heinrich Wolf und seinem Feldwebel verlas er den Befehl Benedeks. Lange Gesichter bei beiden waren die Folge.
Fragend sahen sie ihren Kommandanten an.
„Durchführen“, schrie van der Groeben sie an. Die beiden wendeten auf der Stelle, berieten sich kurz und erteilten die entsprechenden Anweisungen an die Zugskommandanten.
Das Feuer wurde eingestellt, die Pferde vor die Lafetten gespannt, die Munition verladen. Alles verlief wie am Exerzierplatz.
August van der Groeben sah meinen anerkennenden Blick.
„Meine Mannschaft ist einfach sensationell, ich kann mir keine besseren Leute wünschen. Die Preußen würden jeden Betrag zahlen, um uns abzuwerben. Wir sind ein total eingeschworenes Team und schwarzgelb bis in die Knochen, jeder einzelne ein Spitzenmann. Und jetzt müssen wir weichen, ein Wahnsinn!“
„Es tut mir leid, Kamerad“, versuchte ich ihn zu beschwichtigen.
„Ist schon gut Günther, du kannst ja nichts dafür. Auch nicht unser Benedek, ich glaube da sind wir uns einig, was?“
„Benedek ist ein armer Hund“, erwiderte ich. „Krismanic und Henikstein, die beiden haben vermutlich sein Grab geschaufelt, du kannst dir nicht vorstellen, was die beiden für Unsinn empfohlen haben.
Krismanic hat studiert, also muss er es wissen.
Benedek fehlt dieses Wissen und ist daher oft befangen. Doch das größte Problem in unserer Armee ist die Insubordination.

Der Armeebefehl Nr. 41, in dem Benedek die Stoßtaktik, das rücksichtslose Vorgehen mit dem Bajonett im Angesicht des Zündnadelgewehrs untersagt hat, wurde auf breiter Ebene nicht befolgt. Stattdessen haben General Ramming und seine Kollegen ein Bataillon nach dem anderen sinnlos verheizt. Insubordination, Dummheit und Sturheit ist es, die uns unterliegen lässt!“
„Auch wenn du Recht hast Günther, hör auf so zu reden! Noch haben wir nicht verloren und so gescheit ist der Feind nun auch wieder nicht, Dreyse hin oder her!
Ich werde dem Befehl des Armeekommandanten nicht nachkommen! Nenne es Insubordination, aber die Artillerie kann nicht weichen, nicht jetzt! Wenn wir dauerhaft aufhören zu feuern, kann unsere Armee nicht geordnet abziehen. Die Preußen würden nachstürmen und unsere Kameraden würden sterben oder in Gefangenschaft geraten!
Du erinnerst dich an Benedek in Solferino, als er sich dem allgemeinen Rückzugsbefehl seiner Majestät widersetzt hat? Erinnerst du dich Günther?
Du warst dabei damals und bist ein Held geworden!“
Er schlug mir mit seinem Handrücken auf die goldene Tapferkeitsmedaille, die an meiner Brust blitzte.
Ich nickte stumm.
„Jetzt widersetze ich mich dem Befehl Benedek´s! Ich hole meine Truppe zurück, lasse sie neu aufprotzen und solange auf den Feind feuern, bis entweder er oder wir tot sind, ist das klar Herr Oberleutnant Spielvogel?“ Er brüllte mich an und hatte dabei Tränen in den Augen. Auch meine Augen wurden feucht.
Alles klar, Gustl“, erwiderte ich stockend.
Wir fielen einander in die Arme und heulten wie kleine Kinder, dabei pfiffen uns die Kugeln des preußischen Schnellfeuers um die Ohren.
„Auf Wiedersehen in der großen Armee, mein Freund“, stammelte ich und hob die Hand an den Rand meines Pfauenfederhutes.
Desgleichen salutierte der Hauptmann. Ich wendete militärisch und rannte zu meinem Pferd.
Hauptmann August van der Groeben sollte ich in diesem Leben nicht mehr wieder sehen.

Wie vom Teufel gehetzt, ritt ich zurück in Richtung Hauptquartier, vorbei an den zurückflutenden österreichischen Divisionen. Von hinten hörte ich den gewaltigen Geschützdonner der österreichischen Geschützreserve des III. Armeekorps, der Batterie der Toten.

Nach 10 abgegebenen Kartätschenladungen bedeckte Hauptmann van der Groeben mit seiner gesamten Batterie tot den Kampfplatz.